Träume deuten - Jahrtausende alte Faszination
Nicht erst seit der Moderne wird dem Unbewussten ein großer Einfluss zugesprochen. Träume deuten mussten schon die Traumdeuter im alten Ägypten oder die Propheten in den Geschichten der Bibel.
Die Geschichte der Traumdeutung reicht weit zurück. Schon im Buch Daniel des Alten Testaments wird beschrieben, dass der namensgebende Prophet die Fähigkeit hatte, Träume deuten zu können. Dieses als prophetisch eingestufte Können brachte ihm Ruhm und Ehre am babylonischen Hof ein. In der Antike wurde Träumen auch eine göttliche, beziehungsweise dämonische (Alpträume) Quelle zugesprochen. Erst später begann die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema, die heute noch in unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen zum Teil kontrovers diskutiert wird. Neben der Psychologie versucht die Neurowissenschaft mit bildgebenden Verfahren mehr über die Vorgänge beim Träumen herauszufinden.
Begründet wurde die moderne Traumdeutung etwa um 1900. Träume wurden weithin nicht mehr als göttliche Zeichen angesehen. Dennoch müsse man die Träume deuten, da ihnen eine (kodierte) Botschaft innewohne, deren Entschlüsselung dem Träumenden zur Selbsterkenntnis verhelfen könne. Im Schlaf können so Teile des Unbewussten symbolhaft bewusst werden. Durch freie Assoziation kann die Traumbotschaft dann entschlüsselt werden.
Andere Zweige der Forschung gingen stattdessen dazu über, nicht die Assoziationen als Anhaltspunkt der Analyse zu benutzen, sondern Kataloge mit Traumsymbolen zu erstellen, denen eine feste Bedeutung zugesprochen wurde. Auch heute noch findet man zahlreiche Literatur - sogenannte Traumlexika -, die sich mit dieser Art der Symbolik beschäftigen. Je nach Tradition und Seriosität der Bücher können denselben Symbolen jedoch höchst unterschiedliche Bedeutungen zugesprochen werden, was die tatsächliche Analyse so gut wie unmöglich macht. Die Faszination, die der Traumdeutung anhaftet, erfährt jedoch keinen Abbruch.
Um aber wirklich Träume deuten zu können, sollten diese nicht isoliert betrachtet werden. Erst das regelmäßige Aufschreiben und Untersuchen lässt verdeckte Muster erkennen, denen dann mit größerer Sicherheit eine Bedeutung zugesprochen werden kann. Auch zu berücksichtigen sind sogenannte Schlafschutzträume, die durch äußere Reize, wie beispielsweise das Klingeln des Weckers, verursacht werden und nicht von Symbolik gekennzeichnet sind.